Fake News – behindern Google & Co. die Nachrichtenneutralität?

Gastbeitrag von miki Vayloyan auf ADENION: Fake News - Behindern Google & Co. die Nachrichtenneutralitaet

Ein Gastbeitrag von Miki Vayloyan, Business Development Manager Media Intelligence bei LexisNexis

Ende Juni 2017 wurde bekannt, dass die Europäische Union Google mit einer Strafe in Höhe von 2,7 Mrd. US-Dollar aufgrund der Verletzung des Kartellrechts belegt hat. Die EU vertrat die Auffassung, dass Google „seine dominante Position durch systematische Begünstigung“ seiner eigenen Einkaufs-Vergleichsportale ausgenutzt hat, während die Listen der Konkurrenten zurückgesetzt wurden.

Das ist nicht ohne Ironie, denn in einem kürzlich eingereichten Gesuch der News Media Alliance (NMA), einer Koalition von mehr als 2.000 US-amerikanischen und kanadischen Zeitungen, hat diese vom Kongress eine eingeschränkte Befreiung vom Kartellrecht erbeten, wodurch es möglich wäre, dass Nachrichtenorganisationen mit Facebook und Google wie Gewerkschaften verhandeln könnten. Einige sind der Meinung, dass die Internetgiganten ihre Dominanz nur dadurch erlangt haben, dass sie kartellrechtliche Vorschriften verletzt haben.

Wird der US-Kongress diese kartellrechtliche Ausnahme gewähren und Nachrichten-Herausgebern erlauben, sich am Verhandlungstisch mit Google und Facebook zu treffen? Das ist noch nicht klar. Das Gesuch der Medien wird der von den Republikanern kontrollierte Kongress möglicherweise nicht so begeistert aufnehmen. Und wie sieht es mit anderen Regierungen auf der Welt aus? Sind sie erleichtert, dass sie Maßnahmen ergreifen können, da die EU-Gesetzgeber eine harte Haltung einnehmen?

Fake News als Topergebnisse der Suchmaschinen

Klar ist auf jeden Fall, dass Fake News weiterhin die News-Feeds von Facebook, die Topergebnisse der Suchmaschine von Google sowie WhatsApp und anderer Nachrichtendienste dominieren. Ob es nun an der Unfähigkeit von Facebook und Google liegt oder ob es Absicht ist, Facebook und Google haben noch keine erfolgreichen Maßnahmen ergriffen, um die Richtigkeit von Meldungen, die von anerkannten Nachrichtenvereinigungen unterstützt werden, zu garantieren. Immerhin wurde aber ein erster Versuch unternommen, das Problem in den Griff zu bekommen, indem die Unternehmen ihre Algorithmen angepasst haben.

1,2 Milliarden Nutzer weltweit nutzen den Instant-Messenger WhatsApp und tragen – bewusst oder unbewusst – zur Verbreitung von Fake News bei. Denn die Informationen verbreiten sich rasend schnell und ohne Kontrolle durch Mitglieder einer Social-Media-Gemeinde. Shammas Oliyath und Balkrishna Birla haben check4spam gegründet, um Fake News aufzudecken, die auf WhatsApp kursieren. Allerdings funktioniert das bisher nur mit großem manuellen Aufwand. Nutzer müssen Geschichten identifizieren, die sie mit Hilfe von check4spam prüfen lassen möchten. Obwohl es bereits seit einiger Zeit viele andere Seiten zur Überprüfung von Fakten gibt und immer neue hinzukommen, können diese Fact-Checking-Seiten nicht der riesigen Menge an Geschichten Herr werden, die täglich auftauchen.

Wie können wir die Fake News-Krise bewältigen?

Wessen Fehler ist dieser Anstieg an Fake News? Ist es die Schuld von Google, Facebook und WhatsApp? Liegt es an den staatlichen Vorschriften? Oder am Mangel staatlicher Vorschriften? Oder liegt es letztendlich an uns Verbrauchern, die es bevorzugen, unsere Nachrichten aus sozialen und kostenlosen Medien zu beziehen anstatt von angesehenen, kostenpflichtigen Nachrichtenquellen?

Vielleicht ist es auch egal. Tatsache ist, dass echte Nachrichten Geld kosten. Gute Nachrichten sind zeitraubend und teuer. Der NMA-Präsident und CEO David Chavern erklärt: „Facebook und Google beschäftigen keine Reporter. Sie wühlen sich nicht durch öffentliche Unterlagen, um Korruption aufzudecken, sie entsenden keine Korrespondenten in Kriegsgebiete und nehmen nicht an der Sportveranstaltung in der letzten Nacht teil, um die Höhepunkte mitzubekommen.”

In Situationen, in denen es wirklich wichtig ist, verifizierten, genau recherchierten Nachrichten zu vertrauen, ist es Fakt, dass wir wohl dafür bezahlen müssen.

Konsequenzen des blinden Vertrauens auf kostenfreie Nachrichten

Wenn wir weiterhin diese kostenlosen (oder sehr günstigen) Nachrichtenquellen in weniger kritischen Situationen nutzen, dann liegt es an uns, herauszufinden, ob diese wahr sind. Diese Tipps zum Aufstöbern von Fake News wurden bereits häufig genannt, aber hier sind noch einmal einige der wichtigsten:

  • Suchen Sie nach ungewöhnlichen URLs oder Seitennamen, einschließlich solchen, die mit „.co“ enden.
  • Suchen Sie nach Anzeichen für „Boulevard“- Qualität, wie zum Beispiel Wörtern in GROSSBUCHSTABEN, Überschriften mit auffälligen Grammatikfehlern oder kühnen Behauptungen ohne Quellenanagaben.
  • Prüfen Sie die Veröffentlichungsdaten. Alte Nachrichten, die als aktuell dargestellt werden, oder fehlende Datumsangaben sind insgesamt als verdächtig zu betrachten.
  • Prüfen Sie den Abschnitt „Über uns“ auf einer Seite. Wenn diese Informationen nicht vorhanden sind, fragen Sie sich warum.
  • Prüfen Sie, ob andere glaubwürdige Hauptnachrichtenquellen die gleichen Nachrichten melden.
  • Prüfen Sie mehrere Quellen, bevor Sie einer Nachricht vertrauen.

Wir sind Fake News nicht gnadenlos ausgesetzt. Es ist sicherlich lästig, diese zu überprüfen, zwei- und dreifach die Quellen und Grundlagen zu prüfen, indem wir auf mehrere Kanäle zugreifen, oder unseren Puls fühlen, um sicherzustellen, dass wir keinen Sensationsnachrichten aufsitzen.

Wenn Sie Ihre Nachrichten von Facebook oder anderen sozialen Medien, Google oder einer Vielzahl der anderen kostenlosen Webquellen ohne Verifizierung durch mehrere angesehene Nachrichtendienste erhalten haben, nun, dann haben Sie das bekommen, was Sie auch bezahlt haben.

Das können Sie jetzt tun:

Miki Vayloyan
Business Development Manager Media Intelligence bei LexisNexis GmbH
Miki Vayloyan ist seit 2013 bei der LexisNexis GmbH beschäftigt und als Business Development Manager Media Intelligence innerhalb der DACH Region tätig. Ihr Beratungsschwerpunkt liegt im Bereich der (Social-) Medienbeobachtung: vom professionellen Monitoring, der Evaluation, zu Analysen und Insights sowie geeigneten Kommunikationskanälen. Seit Oktober 2016 ist sie außerdem Präsidentin des Schweizerischen Verbands für Marktbeobachtung, Wettbewerbsanalyse und Strategieplanung - Swissintell.
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